Das Gut Redekin war ununterbrochen von 1397 bis 1763 zunächst als Lehen teilweise
und später ganz im Besitz der Familie von Randow


Das folgende Bild und der Text stammen aus der Reihe: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preussischen Monarchie, 1871-73 von A. Duncker

REDEKIN

PROVINZ SACHSEN.   REGIERUNGSBEZIRK MAGDEBURG. - KREIS II.  JERICHOW  (GENTHIN)

Keine alterthümliche Zinnenburg, kein Schloss, ein schlichtes aber doch stattliches Herrenhaus ist die Wohnung des Kammerherrn etc. von Alvensleben auf Redekin; das Herrenhaus liegt mit seinem Thürmlein, welches durch seine Form ganz vorzüglich an die Zeit des grossen Preussischen Friedrich erinnert, mitten in einem anmuthigen Garten, der reich an schönen und alten Bäumen ist. Der Liebling des grossen Fritz, General von Lentulus, ist der Erbauer des Hauses.

Redekin ist ein alter wendischer Ort, der in den frühesten Zeiten Gerdekin genannt wurde und im zwölften Jahrhundert den deutschen Namen Nizekendorp erhielt, der sich indess nicht zu behaupten vermogte und dem alten wendischen Namen, der in Redekin verwandelt worden, nun wieder Platz machen musste. Im Jahre 1145 schenkte der Domprobst Graf Hartwig von Stade, nachmals Erzbischof von Bremen, den Ort an das von ihm gestiftete Kloster Jerichow und 1172 überliess dieses Kloster elf Hufen zu Redekin tauschweise an das Erzbisthum Magdeburg. Wahrscheinlich waren es diese Hufen, welche eine Familie des Ministerial-Adels, die sich von Redekin schrieb, in Lehn hatte. Noch im sechszehnten und siebenzehnten Jahrhundert sind diese von Redekin noch ganz nahe bei dem Ort zu Klietzenick, Jerchland und Bergzaw angesessen. Uebrigens muss diese Familie, welche in Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts erloschen ist, schon ziemlich frühe um ihren Stammsitz gekommen sein, denn im Jahre 1376 wohnen Mitglieder der Familien von Katte und von Britzke urkundlich zu Redekin; im Jahre 1479 haben darselbst Hennig von Randow und seine Söhne ihren Wohnsitz. Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts befand sich zu Redekin ein königliches Vorwerk (vermuthlich bestand es aus dem ehemaligen Klostergut) und ein Gut, welches denen von Randow zustand. Dieses Gut sowohl, als auch später das königliche Vorwerk erwarb der General-Lieutenant von Lentulus, der dann ganz Redekin an Friedrich August von Alvensleben aus dem Hause Isernschnibbe verkaufte. Von diesem ging das Gut 1787 durch Kauf auf den Königlichen Kammerherrn Johann Friedrich von Alvensleben auf Vienau aus dem Hause Eichenbarleben über, von dem es im Jahre 1811 an den jetzigen Besitzer, den Königlichen Landrath im zweiten Jerichow’schen Kreise, Rittmeister a. D., Kammerherrn Eduard Carl Gebhard Ferdinand von Alvensleben kam, welcher das Gut durch den Ankauf bäuerlicher Grundstücke bedeutend vergrösserte und zum Theil neu aufbaute.

Der Flächeninhalt des Gutes beträgt gegen 3000 Morgen; die Grundstücke sind grösstentheils fruchtbar; wegen der guten Wiesen und einer bedeutenden Spiritus-Brennerei hält das Gut einen starken Viehstand. Ein von dem jetzigen Besitzer grösstentheils neu erbautes Vorwerk, Schäferei genannt, liegt etwa eine viertel Meile von dem Rittergut. Das Dorf besteht aus Alt- und Neu-Redekin; letzteres wird nur von Ackerleuten bewohnt und ist nach beendeter Separation eine achtel Meile vom alten Dorfe entfernt erbaut.


 weiteres zu Caspar v.R.

Leichenstein des Caspar v. Randow in der Kirche zu Redekin


Zitat aus: www.von-alvensleben.com/html/body_bauwerke.html:

Das Gut Redekin wurde 1780 von den Alvensleben erworben. In den letzten Kriegstagen 1945 brannte das Gutshaus völlig aus. Heute erinnert nichts mehr an das ehemalige Rokoko-Schloss. Das Gut Redekin wurde nach der Enteignung nur teilweise aufgesiedelt. Der grössere Teil, etwa 350 ha (im Durchschnitt 45 Bodenpunkte) gehörten zu einem Volksgut (VEG). Nach der Wende hatte sich Alvo-Redekin (*1924) um den Rückkauf von Siedlerflächen und eine Rückpacht der VEG-Flächen bemüht - allerdings ohne Erfolg. Die Flächen wurden einem LPG Nachfolgebetrieb zugeschlagen. Am 4.10.1992 verunglückte er tödlich zusammen mit seiner Frau Gerlind (*1929) bei einem Autounfall. Sein Sohn Joachim-Anton (*1961) hat seinen 2. Wohnsitz in Redekin genommen und bemüht sich weiter um die Rückpacht der Flächen. Ein Rückerwerb im Rahmen des EALG soll auf jeden Fall erfolgen.

Erbaut war das Redekiner Gutshaus 1763 durch Robert Scipio Lentulus, Reitergeneral Friedrichs des Grossen. Der König kam persönlich hierher, um die Schöpfung seines Paladins in Augenschein zu nehmen. Künstler, die in Potsdam und Sanssouci gewirkt hatten, schufen den weissen einstöckigen Bau in Hufeisenform mit dem reizenden Uhrturm über der Dachmitte, auf dem eine Fortuna sich im Winde bewegte, und die Sandsteinfiguren vor der Fassade. Im nahen Walde entstand ein Naturtheater für Amateur-Aufführungen. Der Garten wurde bühnenartig mit allerlei merkwürdigen Monumenten von unsolider Bauart besetzt, die grossenteils bald wieder verschwanden. Es gab darin einen Obelisken und eine Kolonnade, der Gontardschen in Sanssouci nachgebildet, sowie eines der künstlich nachgeahmten Bauerndörfchen, wie sie gleichzeitig in Trianon und anderen Gärten Europas angelegt wurden. Bis 1945 erhielten sich ein Pavillon, der die Aufschrift ,,Sans Chagrin“ trug, die von Terracottavasen flankierte Einfahrtsallee, Bassin, Lindengang und Bosketts. Alles übrige fiel im 19. Jahrhundert der Anglisierung zum Opfer. Das Haus selbst, zu Lentulus' Zeit mit einer wertvollen Gemäldegalerie von Meistern des 17. und 18. Jahrhunderts geschmückt, bewahrte noch feine Reste des Mobiliars und der Dekoration. Die zu ebener Erde gelegenen Räume, aus deren nicht landesüblichen Schiebefenstern man rings in den Park und auf das Bassin vor dem Hause blickte, waren der Inbegriff kultivierter Wohnlichkeit. Lentulus verliess den preussischen Dienst und verkaufte Redekin 1780 den Weissen Alvensleben, die seine Gemälde nach Erxleben überführten. Bis 1945 verblieb das Gut in der Hand einer Linie, die aus Eichenbarleben stammte. Die Räume bewahrten Erinnerungen an aussergewöhinliche Ereignisse und Gestalten. Friedrich Wilhelm IV., Wilhelm I., Friedrich III. und Bismarck erschienen wiederholt zu Gast. Hier an der Elbe vollzog sich 1945 in der Begegnung der westlichen und östlichen Siegerheere der letzte Akt des zweiten Weltkrieges. Das Redekiner Herrenhaus brannte ab. ,,Sans Chagrin" und die Vasenallee wurden bis 1950 ebenfalls zerstört. Den heutigen Besucher erinnert nichts mehr daran, welch bezaubernde Schöpfung hier spurlos verschwand.

Randow'sche Stammgüter