zum Ausflug nach Randau 1995
Herrenhaus der Familie Hennige im 19. - 20. Jhd. (Aufn. 1995)

  
R A N D A U
der Ort, der uns den Namen gab

Im dem Buch "Die Randows" schreibt Olof v. Randow auf S. 26-30 unter anderem über Randau:

Wie bei allen Adelsfamilien leitet sich auch unser Name von einem Ort her; und hier ist es wohl hinlänglich sicher, dass unsere Familie – wie dies schon L. D. Hermann und andere Genealogen des 18. Jahrhunderts festgestellt haben – auf den Ort Randau, auf dem Elbenauer Werder südlich von Magdeburg, zurückgeht. Nicht nur schrieben unsere Vorfahren jahrhundertelang ihren Namen vorwiegend Randau oder Randaw, sie sassen auch bis in das 17. Jahrhundert ausschliesslich im engeren und weiteren Umkreis dieses Dorfes im Magdeburgischen, im Anhaltischen und in den (damaligen) Kreisen Jerichow. 

Dorf und Gut Randau – wie die schon um die Wende von 13. zum 14. Jahrhundert zerstörte und nie wieder aufgebaute gleichnamige Burg – liegen an der alten Elbe, einem heute weitgehend verschwundenen Elbarm, der bis zur Verlagerung des Flusslaufes nach Westen vor dem Jahre 1012 den Hauptstrom der Elbe bildete. Der Name des Dorfes bedeutet wahrscheinlich, dass es am Rande einer Aue, eines Wassers, das heisst hier der Elbe, gelegen war. Allerdings gibt es auch noch die Version, dass der Wortbestandteil „Rand” slawischen Ursprungs sei (Hranica = Grenze), und der Name dann soviel wie Grenzau bedeuten könnte.

Eine Urkunde, die den Besitz Randaus durch unsere Familie nachweist, gibt es nicht. Auch existiert keine Urkunde über Dorf und Burg, bis zu jener vom 28. Mai 1236, die gleichzeitig das älteste urkundlich erwähnte Mitglied der Familie bezeugt: Thegenardus de Randowe. Dieser Degenhard v. Randow unterschreibt als Zeuge – zusammen mit anderen – einen vom Bischof Gernand von Magdeburg beurkundeten Vertrag zwischen dem Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg und dem Burggrafen Iwan von Dornburg, deren beider Besitzungen damals fast bis an Randau heranreichten. Einer der letzten Besitzer des Gutes Randau, Max Hennige, schreibt in seiner 1913 erschienenen Geschichte des Ortes (Randau – Gut und Dorf in Vorzeit und Gegenwart): „So lässt sich die Annahme rechtfertigen, dass dieser Thegenardus der adlige Besitzer eines Burggebietes Randau war, das etwa dem heutigen Rittergute entspricht”. Ich denke, wir können ihm darin zustimmen. Zumindest war er wohl Mitbesitzer.

Andere Quellen meinen, die Randows hätten die Burg gebaut. Jedenfalls haben sie sie wohl nicht lange besessen und bewohnt. Eine Reihe von alten Urkunden und Überlieferungen zusammenfassend schreibt Hennige weiter:
„Die Ritter in der Zollfeste Randau machen sich nach und nach von ihrer Mutterstadt frei. Nach dem Faustrecht des Mittelalters vergreifen sie sich an den Elbfrachten und anderes mehr. Auch ist die Burg der Beratungsplatz derjenigen Ritter, die sich mit dem Erzbischof Burchard II. (1295-1303) verfeindet hatten. Dieser hatte sich stolz über die Adligen erhoben und ihren Lebenswandel angegriffen, obgleich er selbst aus ihren Reihen stammte. Die erbitterten Ritter hatten sogar versucht, den Fürsten in ihre Gewalt zu bekommen, doch hatten die Magdeburger diesen Streich vereitelt. Die Stadt liess dafür das Raubritternest dem Erdboden gleich machen.” 

Die Magdeburger Schöffenchronik erwähnt die Zerstörung nur mit einem Satz: „bi sinen tiden wunnen dusse borger dat hus to Randauwe und breken dat und vorstordent”, was auf Hochdeutsch heisst: „Zu seinen (des Erzbischofs Burchard) Zeiten eroberten diese Bürger das Haus zu Randau und zerstörten es.” Dies geschah wahrscheinlich 1297 durch den Magdeburger Hauptmann Thiele Weske. Über diese Zerstörung gibt es eine hübsche Sage , in der es heisst, dass sich auf den Trümmern der Burg „noch jetzt um die Mitternachtsstunde an gewissen Tagen im Jahre eine weisse Frauengestalt” sehen lasse. „Das soll der Geist der Ahnfrau von Randau sein, nur weiss man nicht, welchem Geschlecht dieselbe angehört hat, denn von einer Familie von Randau weiss Niemand etwas ...”

In der Folgezeit war Randau in magdeburgischem Besitz; 1309 schenkten die Bürger das Gut zu Randau dem Erzbischof Burchard III., der es für 400 Mark verkaufte, um Geld für eine Rom-Reise zu erhalten zwecks Erlangung des bischöflichen Palliums (des liturgischen Amtszeichens, für das dem Papst ein Palliengeld gezahlt werden musste). Die Chronik sagt darüber: „do he dat pallium halen scholde, do geven om de borgere dat gut to Randawe; dat vorkofte he vor 400 mark.” Danach hört man bis 1391 nichts mehr über die Besitzer von Randau.

Ob die von Randau noch im Besitz des Ortes und der Burg waren, als sie zerstört wurde, ist ungewiss. In der Sage heisst es, dort habe damals eine Gräfin von Barby gewohnt, wobei unklar bleibt, ob sie – so eine andere Version der Sage – nicht eine Gefangene war. Sie soll übrigens bei der Zerstörung der Burg umgekommen sein. Reste der zerstörten Burg sollen noch 1655 sichtbar gewesen sein . „Heute ist nur noch eine flach erhöhte Stelle zu erkennen”, heisst es im Handbuch der Historischen Stätten in Deutschland (Band 11) und zwar an einer Stelle nahe der alten Elbe, die „der Grebs” heisst. 

„In einer Urkunde vom 2. August 1391 belehnt Albrecht Erzbischof von Magdeburg Friedrich von Alvensleben zur gesamten Hand mit Gerhard von Wederden mit ‘allen geistlichen und weltlichen, ledigen und verlehnten Gütern’, die der letztere vom Erzbischof zu Lehen hat, ausgenommen einige Besitzungen im Halleschen.” Der Historiker Wohlbrück vermutet laut Hennige, dass dieses Lehen unter anderem in dem Gute Randau bestanden habe. Danach wären die Herren von Wederde schon vor 1391 auf Randau Lehnsmannen des Erzbischofs gewesen. Auf ein Aussterben dieser Familie führt Wohlbrück die Mitbelehnung Friedrich v. Alvenslebens zurück. Dessen Familie erhält schliesslich am 28. März 1447 Randau ganz zu Lehen, und besitzt es dann gut 400 Jahre bis 1850.

Dass 1868 – als Grässe seine Sagen sammelte – in Randau „niemand” mehr etwas von einer Familie von Randau wusste, verwundert nicht, denn nicht nur wohnte dort schon seit Jahrhunderten kein Mitglied der Familie mehr, auch die letzten Güter im Magdeburgischen, im Kreis Jerichow I, waren rund 70 Jahre zuvor verloren gegangen. Die Familie blühte damals nur noch in Schlesien sowie in Pommern und Mecklenburg, und das war unter den Verhältnissen jener Zeit sehr weit weg.

Luftbildarchäologie in Randau

Im April 2007 findet man unter dem Suchwort "Randau" bei "google earth" (bzw. bei http://maps.google.de/maps) eine verbesserte Satelliten-Aufnahme des Bereiches Magdeburg. Die Lage der ehemaligen Burg Randau ist auf dem neuen Satellitenbild gut erkennbar und viele, zum Teil noch schwer deutbare Details sind (ähnlich wie bei der Luftbildarchäologie) im Acker "der Göbs" nördlich des heutigen Herrenhauses erkennbar:

Unten im Bild ist das heutige Gutshaus "Schloss Randau" zu erkennen, oben links die Kirche von Randau

 

     Lageplan von Randau    

 zum Lageplan der Randow'schen Besitze bei Magdeburg
Herrenhaus der Familie v. Alvensleben  im 18. - 19. Jhd.

Zitat aus der Familien-Homepage www.von-alvensleben.com:

Randau, auf der grossen Elbinsel im Südosten Magdeburgs, nahe der Stadt gelegen, war einst ein grösserer Ort. Im 18. Jahrhundert sah man hier noch Spuren einer Burg mit dreifachem Grabensystem, einer grossen Kirche mit Kreuzgang und mehrerer Gebäude. Nach einer Zerstörung besiedelte Kaiser Friedrich Barbarossa die Insel um 1160 mit niederländischen Kolonisten. 1297 verbrannten Magdeburger die Burg, deren Inhaber die Elbschiffart bedrohten. Wiederhergestellt, blieb Randau strategisch wichtig, weil es zu den festen Schlössern gehörte, die imstande waren, die Elbe oberhalb Magdeburgs zu sperren. 1391 wurde es von den Rogätzer Alvensleben als erzbischöfliches Lehen erworben. Kuno, Domherr zu Magdeburg, Gesandter des Erzstifts und Mitglied der gelehrten "Fruchtbringenden Gesellschaft", entschloss sich nach 1609, ein neues Schloss zu errichten, das bereits 1631 mitsamt der Hauskapelle, der Magdeburger Domherren-Curie und einer kostbaren Bibliothek bei Zerstörung der Stadt durch Tilly den Flammen zum Opfer fiel. Erst der "Minister Alvensleben in London", Johann Friedrich Carl 1. (1737-1795), erbaute auf einer Anhöhe nach der Elbe zu wieder ein schönes neues Wohnhaus, wie wir es auf unserer Ansicht erblicken, und umgab es - noch am Barock hängend - mit geometrischen Gartenanlagen. Sein Nachfolger schuf das klassizistische Mittelrisalit und fügte die Seitengebäude hinzu. Die übrigen Nutzbauten, Holländerei, Windmühle, Kolonistenhäuser und Werkwohnungen gingen auf den Minister zurück. Eine breite Allee in der Mittelachse war auf den Magdeburger Dom ausgerichtet. Durch Waldungen unterbrochen, schweifte der Blick über die Elbarme ringsum. In der nächsten Generation ging es wirtschaftlich bergab: 1850 kam Randau zum Verkauf, und um 1880 erfolgte der Abbruch des Herrenhauses.